Mein Gruß an Euch, Ihr fantastisch Anderen!  

Ich erzähle Geschichten. Die meisten sind etwas böse, aber damit kommen wir schon klar. Vorausgesetzt, wir wissen: Etwas ist Ansichtssache. Wissen wir natürlich.

Wenn ich keine Geschichten schreibe, verfasse ich Essays und Artikel über Bemerkenswertes. 

Ich finde recht viel außerordentlich bemerkenswert. Angst. Mut. Sehnsucht. Kunst und Spuk. Unheimliches. Unvergessenes. Unfassbares. Das Seltsame an der Lust. Schräge Lebensläufe, wirre Ansichten. Skurriles Glück. Solides Pech. Killer. Komödianten. Tragik. Türen, hinter denen ein Etwas lauert, Augen, die mehr sehen, als ihnen lieb ist. Vernichtung, Verwandlung. Vergnügen. Verstaubtes, an dem Blut klebt. Liebe in Schieflage. Das Grinsen. Das Grauen. Das Große. Ich sitze in einer vernünftigen Ecke, wenn ich schreibe. Heißt, dass da Licht ist. Immer! Denn wenn das ausgeht, traue ich mir selbst nicht wirklich.

Allemal: Es ist mir Ehre und Vergnügen, Euch lesen lassen zu dürfen.

Meine Rubriken ergänze ich nach und nach mit weiteren Beiträgen. Im Inhaltsverzeichnis steht neu Hinzugefügtes immer oben in  der Auflistung.

Essays und Artikel von mir befinden sich auch in den Online-Magazinen  Phantastikon und Fantasyguide. Mit vielen meiner Kurzgeschichten bin ich in Anthologien (Zwielicht - Das deutsche Horrormagazin u.a.) vertreten. Hier gelten mein Respekt und Dank den visionären Machern, die in die Abgründe der Phantasie, des Echten, der Lüge und des teuflisches Spottes blicken lassen. 


Gut geträumt, Bruder

Der dicke weiße Mann trug einen Zylinder und hatte ein winziges Loch unter der Nase. Er lag in Axels Arbeitszimmer auf dem Teppich und rollte sich umständlich wieder und wieder von einer Seite auf die andere. Der Hut saß erstaunlich fest, er rutschte zur Seite, in den Nacken, vor die Augen, aber er blieb, wo er war. Der Dicke grunzte unfreundlich, offensichtlich ärgerte es ihn, angeglotzt zu werden.

Gregor, der wie ein Pappschild zwischen Bücherregal und Türrahmen an der Wand klebte und vernünftig entschieden hatte, sich vorerst nicht zu rühren, möglichst auch nicht zu atmen, starrte auf den Zylinder und fragte sich unsinnigerweise, warum der Idiot auf Axels Boden sich das verdammte Ding nicht einfach vom Kopf fegte. Lesen

 

Wolfman: „Wir sind wieder wer!“

So ein Wolf hat seine besonderen Geschichten. Er begleitet Odin. Er ist wachsam, reißend und blutgierig, heißt Geri und Freki und läßt als Fenriswolf den Donnergott untergehen. Er jagt an der Seite von Diana, Artemis und Ischtar, die für ihre mächtigen Rudel Menschen in Wölfe verwandeln. Er ist Ahnherr von Dschingis Khan, Reittier der Riesinnen, Totem der Kelten. Weiser Schöpfer der Schoschonen. Gott des Totenreichs, Symbol geheimnisvoller, dunkler Mächte. Angebetet von den Ägyptern, gefürchtet, verflucht im finsteren Mittelalter. Mächtige Dämonen werden nach ihm benannt. Grimm nennt ihn "das böseste aller Tiere". Lesen

Auf dem Dachboden

Meine Mutter fürchtete sich auf dem Dachboden. Eine ungeheuerliche, verstörende Erkenntnis. Die große Seherin, deren Bett ich in meinen schlimmsten Nächten aufsuchte, um Trost und Rat und zu finden, hatte selbst Angst. Die tapfere Kriegerin, die meine Alpträume tötete und mich beruhigt an ihrer Seite einschlafen ließ, bewaffnet mit einem riesigen Schwert, das griffbereit zwischen uns beiden und meinem ungläubigen Vater lag, war nicht gefeit vor meinen Feinden. Schreien. Schatten. Meinem Spuk. Meinem Erschrecken, das zum Tod führen kann. So raunt man. Bis zum Tode.

Es war die grausame Zeit der Aufkärung. Bis dahin hatte ich geglaubt, sie sei eine Heldin, die keine feigen Bilder malt. Und wenn sie finstere erblickt, sie einfach wegwischt und erklärt, die seien gar nicht dagewesen. Lesen

Put the Blame on Mame, Boys

Schöne Frauen verwelken, der ganze große Rest wird einfach nur alt. Und die Femme Fatale bleibt ein Bild. Ein Blick. Eine Ewigkeit. Unsterblich, weil sie nicht nur diesen einen speziellen Namen hat. Sie heißt Isabelle. Ava. Rita. Greta. Sharon. Pola. Lauren. Gloria. Manchmal auch Lolita. „Wir sind viele“, raunt sie. Faucht, weil sie einzigartig sein will, zieht an der Zigarette, fährt sich durchs Haar, schmeckt den Whisky, träumt sich in die Nacht und malt ihre Lippen an. Und kokettiert mit ihrem Böse-Mädchen-Image, wenn sie sagt:

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe. (Marlene Dietrich) Lesen

Fritz Honka: Suff, Schmutz und Sünde

Fritz Honka war weder optisch noch mental der Mann, dem verklärte Frauen Liebesbriefe in die Zelle geschickt hätten. Krumme Körperhaltung, kaputte Zähne, Schielen, Hasenscharte. Honka war ungepflegt, jähzornig, Frauen verachtend, Alkoholabhängig, sexuell zutiefst gestört und ungebildet. Da war nichts wirklich Erfreuliches an ihm. Sein Leben war Schattendasein. Sein Kopf war finster. Und seine Morde waren schmutzig und grausam. Da bleibt kein Platz für Licht. Vielleicht aber für eine absolut ehrliche Geschichte.

Fatih Akins Film „Der Goldene Handschuh“ (2019) nach dem Roman von Heinz Strunk, eine Milieustudie aus der Finster-Ecke des Tatsächlichen, nennen Kritiker einen „Schocker“. Lesen

Film Noir - Fang nie was mit einer Klientin an

Zudem sei unbestechlich, nett und fair und unbewaffnet, träum' was Schönes und merk' dir das genaue Gegenteil. Denn so soll es natürlich (nicht!) sein im Film Noir. Dort liebt man die Straßen der Nacht, wedelt mit dreckigen Geldscheinen, die man sich nicht sauber denken muss, traut nichts und niemandem und liebt, wenn überhaupt, in erster Linie sich selbst. Seine Knarre, seine Kippe, seinen Whisky, seine Wut. Aber dann...

Sie war eine Blondine von der Art, die einen Bischof dazu bringen kann, mit einem Ball ein Loch in ein Kirchenfenster zu schießen. (Raymond Chandler) 

Im Mitternachtskino sind es keine Dämonen, die atemlos machen. Lesen

Herrn Berlinis seltsame Sachen

Das Haus des Herrn Anton Berlini lag in einer kleinen Seitenstraße unweit des belebten Marktplatzes, und wäre es nicht seit gut dreihundert Jahren in Familienbesitz gewesen, so hätte man im Rathaus wohl längst schon in Erwägung gezogen, es abzureißen. Baufällig war es durch und durch, urig zwar, aber hässlich in seiner abstrusen Form und bei allem Wohlwollen für alte Gemäuer als wenig erhaltenswert einzustufen.

Berlinis Haus war das letzte Gebäude vor dem schmalen, von Unkraut überwucherten Pfad hinunter zum See, und obgleich es abgeschieden lag, war die Adresse ein Begriff. Berlinis Kuriositätenladen hatte seinen Namen, ernstzunehmende Konkurrenz gab es weitläufig in der gesamten Umgebung nicht, und natürlich hätte man ihm großzügig ein passendes Haus im Geschäftsviertel als Ersatz für sein altes angeboten, das mit Einbruch der Dunkelheit vom Nebel schaurig eingekleidet wurde.  Lesen