Wenn Ihr wollt, setzt Euch kurz zu mir

Ich erzähle gern. Natürlich ist mir klar, dass ziemlich viele Leute gern erzählen. Und darunter sind so manche, die das richtig gut können. Da ist es spannend, zuzuhören. Manchmal erfährt man Neues. Oder erinnert sich. Man reist durch die Zeit. Durch Träume. Albträume. Wahrheiten. Fiktionen. Man sieht, spürt, erkennt, begreift. Manchmal weiß man nicht so recht, wo man steht. Und warum. Hinten, vorn, oben, unten und ganz tief drin ist was. Was das ist und wie es sich mit uns arrangiert, wird sich zeigen. Da ist so viel, das darauf wartet, sich zeigen zu dürfen. Manchmal kriecht es auch nur in der Dunkelheit, um uns zu beißen. Zeigt sich nicht wirklich, beißt einfach. Tut vielleicht ein bisschen weh. Aber damit kann man fertig werden. Ich mag viele Geschichten. Die der Anderen. Die der Wissenden, der Ahnenden. Der Jungen. Der Alten. Ich liebe altes Zeug. Alte Friedhöfe. Häuser. Bäume. Altes Kopfsteinpflaster. Altes erzählt. Wenn man es lässt. Und aufmerksam bleibt. Manchmal bildet man sich auch nur ein, Geschichten zu hören. 

Die schreibt man trotzdem auf, ob wahr oder nicht, Spuk oder Leben, böse oder schön. Es sind Geschichten, die erzählt werden wollen. Und das ist gut so.

Ein Blick auf mich: Bekennender Babyboomer, 1960er, wie auch meine drei großartigen Geschwister. Aufgewachsen und verwurzelt in Recklinghausen. Ruhrpott-Seele. Germanistik-/Romanistik-Studium in Bochum, Magister 1989. Während des Studiums freie Mitarbeiterin bei der Tageszeitung. Im Journalismus geblieben. Immer viel gelesen. Begriffen. Getraut. Eigene Geschichten geschrieben,

Liebe Annika, der Brief einer todkranken Mutter an ihre kleine Tochter, war vor Urzeiten meine erste Veröffentlichung. Bitter-Verlag. Die Mutter bittet Annika, sich um ihren alten Teddy zu kümmern. Eine Geschichte, bei der man schwer schluckt. Ich mag sie immer noch sehr. Sie ist anders, gehört aber zu mir. Auch dieses.

Meine zweite Veröffentlichung war Frank in einer Anthologie des Psychiatrie-Verlags Bonn, Thema: Wahn-Sinn. Ich schrieb über einen Jungen, der seinen Vater erschoss. Warum er ihn erschoss. Wie der Prozess verlief.

Frank ist echt und zugleich fiktiv. Ich war in meinen Studienjahren Gerichtsberichterstatterin. Gericht und Germanistik, das passte durchaus, ich kam mir da nicht ins Gehege. Während dieser Zeit speicherte ich Echtes, um es vielleicht irgendwann irgendwie in Erzählungen auftauchen zu lassen. Als kleine Idee vor den großen Ideen. Vielleicht.

Erpressung. Versuchter Totschlag. Vergewaltigung. Mord. Das ist eine beachtliche Palette, mit der man als Autor/-in etwas anfangen kann. Wenn man will. Wenn man mehr will, verwandelt man auf dem Papier alle Recklinghäuser (Recklinghausen ist meine Stadt) in Zombies. Das ist sehr wohl furchtbar, auch für die Nachbarorte. Aber so was funktioniert.

Frank folgten viele Geschichten, die in Anthologien erschienen sind. Für mich ist jede von ihnen besonders, weil sie ihren ganz bestimmten, fantastischen Platz gefunden hat. Den unermüdlich Kreativen, die hinter diesen Anthologien stecken, danke ich dafür, dass ich dabei bin.

Ganz spezieller Dank gilt dem Verleger Dr. Ronald Henss, der 2006 Gottes kalte Gabe, eine Geschichtensammlung von mir, herausgebracht hat. Zusätzlich noch die e-books Rosen für Max, Schweigeminuten und Toter Besuch. Dr. Henss hat mir Mut und Willen geschenkt. Und die Gewissheit, dass Leidenschaft immer da sein wird. Egal, wohin sie führt. 

Geht die Sonne auf, geht sie unter, steht man im Nebel, Regen, Schnee, im Sand, im Matsch, Pfütze, Tümpel, Lagune, Himmel, Strandkorb, Gruft, Hölle, ist man in gescheiter Gesellschaft und trägt man überhaupt die angemessene Kleidung. Richtig frisiert, richtig sortiert? Alles egal. Denn da ist Leidenschaft!

Riesendank vor allem auch den Machern von Zwielicht – Das deutsche Horrormagazin, Michael Schmidt und Achim Hildebrand. Ich bin in etlichen Ausgaben vertreten, und jedes Mal haut es mich um, dass ich mitmischen darf. 2018 wurde Zwielicht Single 3, Blutrot die Lippen, blutrot das Lied, mit zehn ausgewählten Stories von mir herausgebracht. Immer noch: WOW!

Und damit höre ich hier auch auf. Mit allerbestem Gruß an Euch!


Anthologien

Die Residenz in den Highlands (Hrsg. Marianne Labisch u. Gerd Scherm, p. machinery), Horror-Legionen (Amrun-Verlag), Abyssos - Geschichten aus dem Abgrund (Visionarium), Dirty Cult (Hrsg. Ulf Ragnar), Miskatonic Avenue (Phantastikon, Hrsg. Michael Perkampus), IF Magazin für angewandte Fantastik (Whitetrain), Wolfsbrut (ein Zwielicht-Extra), Der letzte Turm vor dem Niemandsland (Fantasyguide präsentiert), Rock Planet, Hrsg. Marianne Labisch, p.machinery

Aktuellste Stories veröffentlicht in:

Time Dealer, Hrsg. Marianne Labisch und Detlef Klewer, p.machinery, Juni 2026 Zwielicht 23, Hrsg. Michael Schmidt und Achim Hildebrand, Mai 2026 Nova 37, Magazin für spekulative Literatur, Verlag p.machinery, Michael Haitl, Okt. 2025 Zwielicht 22, Hrsg. Michael Schmidt und Achim Hildebrand, September 2025  Zwielicht Classic 19, Hrsg. Michael Schmidt und Achim Hildebrand, Juni 2025